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Patchwork und Quilt, eine alte Kunst neu entdeckt

Patchworkquilts erfreuen sich seit einigen Jahren auch hierzulande eines immer größeren Bekanntheitsgrades. Die Begeisterung auf Seiten der Quilterinnen wächst unvermindert, vergleichbar mit der Freude bei Sammlern, wenn sie auf wahre Raritäten stoßen.
Es ist bemerkenswert, daß gerade in der heutigen Zeit dieses interessante Kunsthandwerk immer mehr Anhänger findet.

Woher kommt die Faszination, die Patchworkquilts auf den Betrachter und insbesondere auf den Textilkünstler selbst ausüben?
Um dies zu verstehen, ist ein kleiner Ausflug in die Geschichte des Patchwork hilfreich.




Was ist eigentlich Patchwork?

Patchwork war entstanden aus einer Notwendigkeit, auch kleinste Reste von Stoffen weiterzuverwenden. Die nordamerikanischen Siedlerfrauen entwickelten darin solche Fertigkeiten, daß bald eine eigenständige Handarbeitskunst entstand.
Im Lauf der Geschichte traten dann dekorative Absichten daneben. Die künstlerischen Möglichkeiten gaben den Ausschlag dafür, daß diese Handarbeitstechnik lebendig blieb und wieder lebendig geworden ist.

In Europa wurde Patchwork lange Zeit nur wenig praktiziert. Andere Handarbeitstechniken waren hier weiter verbreitet, auch wenn hie und da das Applizieren von Stoffen aus schierer Not aufkam - so wie etwa in Kriegsjahren. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte das Quilten eine Renaissance. Das Interesse ist heute größer als je zuvor. Nicht zuletzt neue Schneide- und Nähtechniken haben dazu beigetragen, daß diese Handarbeitkunst auch bei uns populär geworden ist.

So ist aus der Not wieder eine Tugend geworden. Heute ist unser Leben angefüllt mit Farben und Mustern, die große Auswahl an Stoffen hat dem Patchwork neue Ausdruckskraft verliehen und eine Wiederbelebung mit unendlichen Möglichkeiten zu schöpferischem Tun angeregt.

Während in den USA Quilts längst in Museen und Galerien ihren Platz neben Bildern und Plastiken gefunden haben, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen, bis Quilts bei uns die gleiche Popularität erreicht haben.

Die meisten Quilts bestehen aus Blöcken. Ein Block ist ein z.B. 30 x 30 cm großes Quadrat, das aus vielen verschiedenen Stoffstückchen zusammengesetzt wird, die dann später wiederum zum ganzen Quilt zusammengesetzt werden.


Was ist eigentlich ein Quilt?

Wenn man heute vom Quilten spricht, dann ist meist die amerikanische Tradition des Patchworkquilts gemeint, die auf die nordamerikanischen Einwandererfrauen zurückgeht. Der Not gehorchend, trennten sie abgetragene Kleidungsstücke auf und nähten aus den noch brauchbaren Stoffteilen Flickendecken, die während des rauhen Winters als wärmende Bettdecken dienten.
Damit ist auch schon die Erläuterung dessen, was "Patchwork" bzw. "Quilt" bedeutet, vorweggenommen: "Patchwork" bedeutet, mit "Flecken" zu arbeiten - einzelne Stoffstücke werden dabei zu einem neuen Tuch zusammengenäht; "Quilt" (engl. "to quilt") bedeutet "steppen".
Es ist typisch für Patchwork, daß das Zusammennähen von Stoffstücken kombiniert wurde mit dem anschließenden Übersteppen des Stoffes, wordurch zusätzliche Musterungsmöglichkeiten entstanden.


Die Amish People und ihre Quilts

Die Amish sind eine Bevölkerungsgruppe, die wegen religiöser Verfolgung aus Süddeutschland, dem Elsaß und der Schweiz nach Amerika auswanderte. Sie leben noch heute in Pennsylvania in sehr einfachen religiösen Gemeinschaften, weitab von Bequemlichkeiten wie Strom, Telefon, Fernsehen, Autos und fließendem Wasser. Es gibt eine strenge Kleiderordnung, so tragen z.B. die Frauen weite einfarbige Kleider und eine Haube.

Die Amish-Frauen entwickelten aus der Not geboren einen ganz eigenen Quiltstil:
Sie verwendeten noch brauchbare Teile abgetragener Kleidung zu wärmenden Steppdecken. Darüber hinaus hatte das Quilten auch eine soziale Funktion, welche die Frauen aus ihrer Isolation befreite. Sie trafen sich zum gemeinsamen Quilten und tauschten dabei Neuigkeiten und Erfahrungen aus.

In den dabei entwickelten vielfältigen und phantasievollen Mustern spiegelte sich neben ihrem Alltag auch das religiöse und politische Leben ihrer Zeit wieder. Charakteristisch waren die kleinen Feste, die man veranstaltete, wenn eine Arbeit zusammengenäht war, um nun im Kreise der Freunde mit der abschließenden Stepperei, dem Quilting, gekrönt zu werden.

Besondere Erkennungsmerkmale der Amish Quilts sind die klaren, kraftvollen Farben, geometrische Formen, wenige Grundmuster, einfarbige Wollstoffe und besonders feine, fließende Quiltlinien von Hand.


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